Eichenprozessionsspinner – Gefahr im Gleichschritt

Veröffentlicht am 29 April 2016 Schreibe einen Kommentar

Eichenprozessionsspinner auf dem Weg in die Baumkrone

Was gibt es Schöneres, als das Erwachen der Natur im langersehnten Frühling? Jetzt blüht und grünt es überall. Jeder Tag zeigt sich in einem neuen Licht und mit neuem Leben.

Aber leider ist nicht alles immer ganz ungefährlich, was uns und unseren Vierbeinern im Frühling und Frühsommer so alles begegnen kann.

Ab Ende Mai – Anfang Juni beispielsweise, ist die Zeit der Eichenprozessionsspinner gekommen. Ihren Ursprung hat die Raupe hauptsächlich in Süd- und Mitteleuropa, teilweise bis in den Süden Russlands und Vorderasien. Mittlerweile sind auch in Deutschland fast alle Bundesländer betroffen, am stärksten Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Es wurden jedoch auch Vorkommen in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen gemeldet.

 

Die Raupen an sich wären gar nicht das Problem, ihr Stachelkleid hingegen, birgt hier die große Gefahr.

Die Stachelhaare der Raupe sind extrem fein und brechen wie feinste Glassplitter. Sie können, je nach Windstärke, über weite Strecken getragen werden. Diese sehr feinen Brennhaare der Raupe setzen ein Nesselgift (Thaumetopoein – ein Gift auf Eiweißbasis, dass schwere allergische Reaktionen hervorrufen kann) frei. Der Hautkontakt mit diesen feinen Raupenhaaren ist vergleichbar mit dem Kontakt mit Brennnesseln, nur um ein vielfaches stärker und vor allem schmerzhafter.

Schwerste allergische Reaktionen bei Mensch und Tier können die Folgen sein.

Zwar sind unsere Vierbeiner durch ihr Fell recht gut geschützt, jedoch kann das Schnüffeln, Ablecken und Schütteln des Fells dazu führen, dass diese Raupenhaare in Augen, Nase und Schleimhäute der Tiere geraten.

Auch eingeatmete Härchen können schwere allergische Schocks oder auch Asthmaanfälle auslösen. Bindehautentzündungen, starkes anschwellen der Schleimhäute oder auch Verätzungen der Zunge können weitere mögliche Folgen sein.

Besonders schwerwiegend können sich die Verbrennungen der Zunge zeigen. Leider ist hier mit irreversiblen Schädigungen zu rechnen, da die betroffenen Teile der Zunge oft nur noch durch Amputation der abgestorbenen Hautzellen zu behandeln sind.

 

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 Fotos: © Kleintierpraxis Werlen

 

Wie kann hier ein Schutz aussehen?

Grundsätzlich ratsam ist es, die Risikogebiete gänzlich zu meiden. Besondere Aufmerksamkeit auch bei den Spaziergängen im Wald oder Park; hier die Augen besonders offen halten. In der Regel finden sich die Raupen hauptsächlich an älteren, alleinstehenden, oftmals bereits durch Baumkrankheiten gezeichneten Eichen, in Baumkronen, an dünneren Zweigen, glatten Rindenstellen aber auch am Wurzelansatz am Boden. Optisch ist der Befall oft gut erkennbar, da sich die Ansiedlung wie ein „Teppich“ oder „zuckerwatteähnliches Gespinst“  zeigt. Es können aber durchaus auch andere Baumarten betroffen sein.

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Da der Befall durch den Eichenprozessspinner in den letzten Jahren stark angestiegen ist, werden durch die Forstbehörden mittlerweile frühzeitig Warnhinweisschilder in den gefährdeten Gebieten angebracht.

Optimal wäre es die Hunde, in Gebieten mit hohem Baumbestand, möglichst nicht frei laufen zu lassen. Eine Schleppleine bietet eine zusätzliche Sicherheit, auch gut abrufbare Hunde, schnell einer möglichen Gefahr zu entziehen.

Offizielle Informationen über gefährdete Bereiche in Ihrem Umfeld bieten Ihnen zum Beispiel die ansässigen Forstbehörden sowie Stadt-/Gemeindeverwaltungen.

Alle Bundesländer unterhalten in der Regel eine Website ihrer Landesforstbehörden. Wie zum Beispiel die Landesforsten Rheinland-Pfalz, dort kann man entweder sofort entsprechende Informationen einholen oder sich die Kontaktdaten der für euren Wohnort zuständigen Forstbehörde anzeigen lassen.

Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, ist es empfehlenswert, den Hund nach dem Spaziergang gründlich zu bürsten oder sogar kurz abzuduschen. Dazu nach Möglichkeit dem Hund ein feuchtes Tuch als Unterlage bieten (fängt Haare besser auf und hält sie fest) sowie eine feuchte Bürste verwenden, um ein Aufwirbeln beim Bürsten selbst zu vermeiden. In den nassen Bürstenfasern können sich die Raupenhaare zudem besser verfangen.

Optimalerweise sollte sogar ein geeigneter Augenschutz, Mundschutz sowie Handschuhe getragen werden. Bitte hier an die Katzen denken, ihre Spaziergänge und Streifzüge bleiben uns Menschen ja meist verborgen, aber welche Katze liebt es nicht, ausgiebig gebürstet zu werden.

Es ist sogar möglich das Fell der Hunde, die keine Berührungsängste oder Geräuschempfindlichkeiten gegenüber einem Staubsauger zeigen, auf minimalster Einstellung vorsichtig abzusaugen.

Ihr kennt eure Tiere am besten, aber auch hier im Vorfeld einige vorsichtige Versuche unternehmen, um sicherzustellen, dass dies eine Möglichkeit der Anwendung ist, die für euren Hund angst-und stressfrei bleibt.

Bei aller Vorsicht kann es jedoch passieren, dass das Tier trotzdem mit der Raupe in Kontakt kommt. Bitte darauf verzichten den Hund jetzt ohne gewisse Schutzmaßnahmen (Handschuhe) zu berühren, denn auch die Hautreaktionen beim Menschen können eine Vielzahl an schweren allergischen Reaktionen auslösen.

 

Was jetzt zählt, ist möglichst schnell den nächsten Tierarzt oder Tierklinik aufzusuchen.

Das Smartphone ist heutzutage immer mit dabei und mittlerweile gibt es eine Vielzahl spezieller Apps (VetFinder) oder Websites (www.tierklinik.de), welche die Hilfe nach einem tierärztlichen Notdienst oder einem Tierarzt in eurer Nähe erleichtern.

Es ist bestimmt nicht unser Ziel, euch und euren Vierbeinern Angst oder Unbehagen zu bereiten. Uns ist es wichtig, euch dabei zu helfen, potenzielle Gefahren frühzeitig zu erkennen, damit der Spaß und die Begeisterung für schöne Ausflüge und Entdeckungsreisen nicht auf der Strecke bleibt.

Gut ist, wenn man gewarnt ist. Das ist in den meisten Fällen schon „die halbe Miete“. Die Zeit des Frühlings bleibt auf jeden Fall spannend.

Wir wünschen euch und euren Vierbeinern einen wunderschönen, sonnigen Frühling und viel Spaß mit euren Fellnasen.

Liebe Grüße,

Elke

 

 

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Dieser Artikel wurde verfasst von Elke Leskien-Bläsius

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